Submerged – Gewaltfrei durch die Endzeit im Test

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Spiele können auf die unterschiedlichsten Arten auf sich aufmerksam machen. Entweder weil ihre Macher zu viel Blumiges versprechen oder weil ihre aufgehübschten Screenshots die Massen täuschen. Oder einfach weil sie aus dem Nichts auftauchen und sich direkt in den Steam Verkaufscharts durchsetzen. Submerged dagegen war einfach da. Uppercut Games hat das Spiel quasi im Vorbeigehen fallengelassen und promt erhoben sich die ersten Stimmen. Es hieße, der Titel sei völlig gewaltfrei. Ein Terminus der heutzutage kaum noch vorstellbar ist im Zusammenhang mit Videospielen. Allerdings ist der Umstand nicht völlig neu. Exploration-Adventures zum Beispiel (aka Walking Simulator) bleiben oft kampflos und auch das upcoming MMO Wander wird diesen Weg gehen. Aber schauen wir doch an dieser Stelle erst einmal welchen Rang in der endlosen Liste der Indies in diesem Jahr Submerged sich verdient hat.

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STORY

Die Hauptakteure des Abenteuers sind das Mädchen Miku und ihr kleiner Bruder Taku. Beide erreichen mit dem Boot eine versunkene Stadt welche vorläufig ihr Unterschlupf wird, denn der Junge ist schwer verletzt und viel zu schwach um weiter zu ziehen. Erzählt wird die tatsächlich belanglose Geschichte in einer Fantasiesprache in Höhlenmalereiartworks die zwischen wichtigen Events getriggert werden. Da ich diesen Umstand nicht beschönigen möchte muss ich ehrlich sagen, es lässt mich so total kalt, dass die Kinder eine schlimme Vergangenheit hatten in der Gewalt tatsächlich eine Rolle spielte. Die kleinen Zeichnungen rauschen durch, man nimmt sie wahr, aber emotionale Rührung kommt nicht auf. Was Schade ist. Gerade die kleine Miku ist ein putziges Mädchen und man möchte sie gern haben. Sie hätte sich als Erzählerin der Story in kurzen Cutschenes bestimmt gut gemacht.

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GAMEPLAY

Was dem Titel also auf emotionaler und mitreißender Seite fehlt kann möglicherweise das Gameplay wieder wett machen. So ungern ich das jetzt sage, auch hier kränkelt Submerged. Jede, nennen wir es mal Mission, läuft haargenau gleich ab. Der Junge Taku braucht Nahrung. Also rein in die motorisierte Nussschale, zum nächsten halb versunkenen Gebäude schippern, hochklettern, Kiste öffnen, check! Ist der Bengel versorgt beginnt der nächste Tag und das Spielchen von vorn, nur braucht Taku jetzt keine Nahrung sondern Fliegenspray, Wasser, Verbände etc. etc. Stets wird zuerst das Gebiet mit dem Fernglas erkundet, eine Kiste ausfindig gemacht, angedockt und hochgekraxelt.

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Da das als Hauptaufgabe deklarierte Klettern aber nach kaum zwei Stunden bereits erledigt wäre hat Uppercut Games den Titel gut mit Sammelkram aller Art vollgestopft. Das Entdecken der wilden Tiere und Monumente ist dabei sogar noch einigermaßen unterhaltsam, weil man so die Gelegenheit bekommt die Map zu erkunden ohne das Gefühl zu haben Fließbandarbeit zu leisten. Die kommt dann erst auf wenn es gilt über sechzig Tagebücher und über zwanzig Bootupgrades zu finden und zu sammeln. Wer sich tatsächlich daran macht und sogar Spaß dabei hat, der sollte ein Fleißbildchen ins Hausaufgabenheft bekommen. Zumal die Bootupgrades nur bedeuten dass der Speedmode länger nutzbar bleibt.

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GRAFIK

Kennt ihr Enslaved: Odyssey to the West? Das ursprünglich 2010 veröffentlichte Action-Adventure von Ninja Theory stand vermutlich Pate bei der Erstellung der Optik von Submerged. Die knalligen Farben und die postapokalyptische, überwucherte Stadt erinnern stark an Kapitel zwei des fünf Jahre alten Konsolenspieles. Lediglich das venezianische Flair und die damit einhergehende Durchreise mit dem Boot bringt Uppercuts‘ Indie Spiel mit sich. Obwohl Submerged trotz Unreal Engine 4 grafisch nicht auf der Höhe der Zeit liegt ist der Titel von Beginn an stimmig. Die Atmosphäre bleibt stets mystisch, die Stadt geheimnisvoll. Aktiver Tag/Nachtwechsel und die alles bestimmende cartooneske Optik runden gemeinsam mit hübschen Lichteffekten das Gesamtbild ab. Nur leider bleibt die Stadt nicht mehr als eine schicke, aber leblose Kulisse für langweilig repetitives Gameplay. Auf musikalischer Seite fehlt es derweil ebenso an Abwechslung und die immer gleichen, eingesetzten Musikstücke beginnen schnell nervig zu werden. Für sich stehend ist die Untermalung gut und auch hörbar, aber der abrupte Wechsel zwischen völliger Stille in luftigen Höhen und dem Einsetzen der Musik wirkt aufgesetzt und fast zufällig.