Homesick – Die schwermütige Erkundungstour im Test

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Im Jahr 2012 hat Entwickler The Chinese Room mit Dear Esther gewissermaßen ein Genre ins Leben gerufen dass bis zum heutigen Tage mit etlichen netten, aber nicht überragenden, Titeln gefüllt wurde. Spiele wie Lex Mortis oder Drizzlepath konnten teils nur spärlich überzeugen und boten außer sehr hübscher Grafik zu wenig Fleisch auf den Rippen. Diesen Sprung hat im Grunde erst die The Astronauts mit The Vanishing of Ethan Carter geschafft. Der aktuellste Titel der Sparte Exploration-Adventure heißt Homesick aus der Spieleschmiede Lucky Pause und ob das eine größere Fangemeinde gewinnen kann, das möchte ich im Folgenden genauer erläutern.

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STORY

Das größte Problem gleich vorweg. Das Spiel setzt ohne Einleitung, Tutorials oder Erklärungen ganz darauf vom Spieler in etwa eineinhalb bis maximal zwei Stunden entdeckt und interpretiert zu werden. Das heißt, ich kann mich in Punkto Story nur so kurz wie möglich fassen um den Kern des Titels nicht zu spoilern. Wichtig ist zum Verständnis das decprypten und genaue Lesen der zahlreichen Notizen. Denn Homesick legt uns nicht alles servierfertig auf’s Tablett sondern verlangt in einem recht ausladenden Puzzle, die verschlüsselten Nachrichten überhaupt erst einmal lesbar zu machen. Im Groben übernehmen wir die Rolle eines Mitarbeiters, der nach einer schweren Katastrophe durch seinen ehemaligen Wohnblock wandert auf der Suche nach Antworten. Auf Antworten, auf die ihr eventuell sogar erst ganz am Schluss die Fragen finden müsst. Freunde des Interpretierens dürften auf jeden Fall ihre Freude am Finale haben.

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GAMEPLAY

Homesick bleibt spielerisch sehr minimalistisch. In Ego-Perspektive, in sehr gemächlicher Laufgeschwindigkeit, Gegenstände einsammeln und in der Welt verwenden, nebst dem Lösen von Rätseln, die in ihrem Schwierigkeitsgrad stark schwanken. Somit kann es auch passieren, dass ihr im ungünstigsten Falle auch hängen bleibt und auf die Hilfe der Steam Community zurück greifen müsst. Diese hat aber zumeist die Lösungen schon parat. Ein Inventar für die simple Verwaltung der Items gibt es leider nicht. Aufrufen und durchblättern funktioniert nur mittels Mausrad und wird aufgrund der super kurzen Einblendzeit des Gegenstandes mitunter unnötig fummelig. Man kann damit leben, aber in Zeiten in denen Spiele auch einen gewissen Komfort bieten sollten, ist das ein unschöner Umstand.

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GRAFIK & SOUND

Die eigentliche Stärke des Spiels und für viele Käufer sicherlich auch der ausschlaggebende Kaufgrund ist die Optik und die damit einhergehende Atmosphäre. Wer einmal das Buch Metro 2033 gelesen hat und sich zurück erinnert an die ruhigen Passagen die Artjom im atomkriegzerstörten Moskau verbringt, der fühlt sich dank Homesick auch spielerisch dahin versetzt. Auch der Vergleich mit Tschernobyl liegt nahe und das obwohl Lucky Pause nicht den simplen Weg des Krieges gewählt hat. Die Umgebungen die der Titel präsentiert sind trotz spärlicher Farbwahl in jeder Szene wunderbar anzuschauen. Viele Details und satte Bildschärfe lassen fast den Eindruck von Fotorealismus aufkommen. Abgerundet werden die Bilder durch stimmungsvolle, weiche Beleuchtung und hübsche Partikeleffekte. Störend wirken dagegen die schwarzen Kleckse innerhalb der Alpträume. Ja, sie haben eine Bedeutung, wirken mir aber zu zweckmäßig. Ich hätte mir da auch eine etwas ausgefeiltere Optik gewünscht.

Begleitet wird die Reise, wie auch schon in Dear Esther, durch beruhigende Klavierklänge, die nur dann aussetzen wenn sich der Spieler in das nächste Areal begibt. Dann wird die ohnehin gespenstische Atmosphäre noch ein ganzes Stück angehoben.