Victor Vran – Auf Monsterjagd in Iso-Perspektive in der Vorschau

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Action-Rollenspiele erfreuen sich nicht nur momentan großer Beliebtheit, doch seitdem Blizzard mit Diablo III das Genre für eine erweiterte Spielerschaft geöffnet hat, werfen kleine und größere Studios Games mit ähnlicher Spielmechanik und Geschichte auf den Markt. Einige davon mit großem Erfolg wie The Incredible Adventures of Van Helsing oder das Free-2-Play Path of Exile und Andere die sich noch in der geheimen Entwicklung (Bombshell) oder der allseits beliebten Early Access Phase auf Steam befinden. Dazu zählt aktuell nicht nur das düstere Grim Dawn von Crate Entertainment. Ein neuer Kandidat erfreute die Community jüngst mit seinem Auftauchen. Victor Vran von Tropico 5 Entwickler Haemimont Games. Darauf möchte ich heute einmal einen Blick werfen. Genauer gesagt auf die Version 1.00 vom 26. Februar 2015.

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Heilbrunnen (Rechts)

Mit Victor Vran wagt das bulgarische Entwicklerteam, das hauptsächlich für Strategie- und Aufbauspiele bekannt ist, nicht zum ersten Mal einen Sprung in actionlastigere Gefilde. 2011 erschien mit The First Templar ein Third-Person Coop Game mit Hack & Slay Anleihen das sich allerdings viel zu schnell abnutzte und zum typischen Sale Titel mutierte. Eins vorweg, Victor Vran macht bereits in der Vorabversion eine weitaus bessere Figur und es ist auch nicht merkbar, dass wir noch vor einigen Jahren in steifen Animationen und schlauchigen Levels Armbrustschützen malträtiert haben. Im Jahr 2015 gelingt der Einstieg ins Action-Rollenspiel um Hauptfigur Victor Vran zügig. Ohne großen Storyballast befinden wir uns schwertschwingend im Spinnengetümmel. Natürlich wird das finale Produkt auch eine Geschichte liefern. Die wird hier allerdings nur in kurzen Stichpunken wiedergegeben und dient mehr als Leitfaden für das Dungeon Crawling. Vielmehr bietet die Early Access einige verschieden große Areale in denen vorab Aufgaben gestellt und bei erfolgreicher Lösung, unterschiedlich belohnt werden.

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Skelettmob

Das wären dann Tätigkeiten wie: Töte XY viele Feinde in den ersten 120 Minuten nach Betreten des Dungeons. Töte XY viele Feinde ohne einen Heiltrank zu benutzen. Finde XY viele Geheimnisse oder töte einen besonderen Feind. Am Ende winken entweder Gold, Loot oder eine große Menge Erfahrungspunkte. Die verdient sich der Held aber natürlich auch durch das Zerbrezeln der zahlreichen Gegner. Das gestaltet sich auf mechanischer Seite als ein wenig umständlicher als bei vielen der Genrekollegen. Denn gesteuert wird Victor nicht wie oft gewohnt mit Mouse sondern mit den WASD-Keys. Das erscheint gerade am Anfang und beim Nutzen der Overdrive-Attacken ziemlich sperrig und fühlt sich für mich zu sehr nach „Nutze ein Gamepad!“ an. Ein Umstand der mir als reinem PC-Gamer irgendwie weniger schmeckt. Hat man sich allerdings ein wenig rein gefuchst gehen die Attacken besser von der Hand. Noch immer nicht sonderlich komfortabel, aber weit weg von unspielbar. Immerhin liegen Standardattacken und Waffenwechsel auf dem Computernager.

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Overkill

Neben den waffenspezifischen Standardattacken mit Schwert, Degen, Hammer oder Shotgun kommt jede Waffe mit zwei speziellen Angriffen. Der mächtige Hammer erlaubt wuchtige Schmetterangriffe. Der schnelle Degen lässt Victor durch Feinde hindurchschießen wie eine Pfeilspitze und mit der Schusswaffe für Fernangriffe, können neben den normalen Schüssen, auch welche mit weitaus mehr Power ausgeführt werden. Der Haken an der Sache ist der Cooldown. Erst nach einigen Sekunden sind die Angriffe wählbar. Dafür erlauben zwei Inventarslots zwei Waffen die während der Gefechte flugs gewechselt werden können. So besteht die Möglichkeit zwischen Nah- und Fernkampf dynamisch hin und her zu schalten. Dadurch wird der Umstand, dass keine Klassen wählbar sind weniger gewichtig. Victor mit verschiedenen Waffen auszustatten geht im Ausrüstungsbildschirm der gleich daneben das Inventar für zügiges Vergleichen der Items beherbergt. Die Waffen findet man ganz Action-Rollenspiel typisch bei toten Mobs, in Schatzkisten und natürlich bei mächtigen Feinden. Diese lassen dann auch selteneren Loot fallen der mit speziellen Attributen kommt.

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Miniboss

Erleichtert werden die Gefechte durch Overdrive-Attacken. Dann regnet es Meteore oder eine Feuersäule verbrennt alles was der Spieler anwählt. Um den zum Auslösen benötigten Overdrive zu generieren müssen entweder Feinde getötet oder ein Brunnen genutzt werden. Außerdem bekommen Early Access Teilnehmer eine besondere Kutte, die allein beim Tragen die wichtige Kraft wiederherstellt. Natürlich besteht auch die Möglichkeit über Tränke an Overdrive zu kommen. Stichwort Tränke. Da die Gegner selbst keine Heilkugeln fallen lassen kann verlorene Gesundheit fast nur über Tränke wiederhergestellt werden. Obwohl in den Dungeons auch Heilbrunnen bereit stehen weiß man natürlich nicht vorab wo genau diese zu finden sind. Daher ist es unabdingbar einen gesunden Vorrat an roten Fläschchen im Gürtel zu tragen. Die kauft man entweder gegen Gold in der Basis oder hofft auf zahlreiche Drops in den Gefechten. Tränke und Waffen sind indes aber nicht das Einzige was Feinde verlieren. Fast noch wichtiger sind die Karten. Je höher Victor im Level aufsteigt desto mehr Slots kann er Karten zur Verfügung stellen. Die sind, wie die Mordwerkzeuge, unterschiedlich wertig und bringen beim Ausrüsten nützliche Boni zum unter anderem erhöhen des kritischen Trefferschadens oder der Trefferpunkte. Hier darf der Spieler frei zusammenstellen was ihm wichtig erscheint.

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Zwischenboss

Auf grafischer Ebene macht Victor Vran eine richtig gute Figur und sieht dem Genrekönig Diablo III recht ähnlich. Zumindest in Punkto Mut zur Farbe. Das Spiel macht jetzt schon einen sehr sauberen und ordentlichen Eindruck, was für die Liebe zum Projekt spricht. Alles wirkt perfekt platziert. Lichtstimmung, Kantenglättung, Aufbau und Wegführung in den Dungeons, dazu eine frei drehbare Kamera. Der stimmige Look mit seiner kräftigen Farbgebung punktet durch knallige Effekte und abwechslungsreiches Monsterdesign. Dadurch fehlt dem Spiel zwar diese gewisse dreckige Bedrohlichkeit alter Verliese, aber meinen persönlichen Geschmack trifft der Titel genau. Es gefiel mir schon sehr gut, dass Haemimont Games für Tropico 5 ordentlich an der Sättigungsschraube gedreht hat. Was in der jetzigen Version aber noch ordentlich störend ins Gewicht fällt sind die mageren, kaum vorhandenen Soundeffekte. Wenn die bis zum finalen Release noch eine kräftige Portion Wumms bekommen, können sie sich mit der effektreichen Grafik zu einem coolen Gesamtpaket verbinden, dass jeden Spieler in den speziellen Sog aus Looten und Leveln hineinzieht.